BGU-Duisburg - Schnuppertauchen
Hätt` ich nicht gedacht!
Eines vorne weg: ich habe mich nicht um die Teilnahme an diesem Tauch-Schnupperkurs in der BG-Unfallklinik Duisburg gerissen. Ein Mitpatient hatte mir vom Tauchen erzählt und versucht, mich dafür zu erwärmen, doch ich dachte mir nur: „Nee, laß mal stecken, der findet auch Autos toll.“ Vor ihm muß ich jetzt auf Knien Abbitte leisten.
Wie wohl alle Querschnittsverletzten genieße ich jede Minute der
Leichtigkeit im Bewegungsbad, aber ich konnte mir nicht vorstellen, was
daran so prickelnd sein sollte, als Tetraplegiker unter Wasser
herumzudümpeln.
Nachdem ich von einer Physiotherapeutin (meine spätere
Tauchbegleiterin) zur Kursteilnahme auf eine Art gefragt worden bin,
die kein „Nein“ gelten ließ, war es eines Tages soweit. Ich saß mit
zwei anderen Patienten am Beckenrand, hörte dem technischen
Schnickschnack nur mit halbem Ohr zu und paßte bei den Punkten
„Atemtechnik“ und „Handzeichen zur Verständigung unter Wasser“ richtig
auf.
Mit dem, was mir dann passierte, als wir abtauchten, hatte ich in der
Form nicht gerechnet. Neben der sich einstellenden Schwerelosigkeit
erfüllte mich nach einigen Atemzügen eine tiefe Gelassenheit. Als mir
nach einer Weile die Luftblasen zu krawallig wurden (der typische
„Tauchsound“ halt) senkte ich einfach meine Atemfrequenz – und schon
hatte ich meine Ruhe und die Welt unterhalb des Wasserspiegels mit der
darüber fast nichts mehr gemeinsam. ZU keinem Zeipunkt verspürte ich
auch nur einen Anflug von Angst oder Unsicherheit, alles wirkte
organisch und selbstverständlich. Die Dinge um mich herum nahm ich sehr
unmittelbar und seltsam distanziert zugleich wahr. So wie z.B. das
Kerlchen, das mich unter Wasser fotografierte: anfangs irritiert – ich
fühlte mich wie eine seltene bzw. seltsame Tierart – nahm ich es mit
dem Gleichmut einer Meeresschildkröte hin. Schade fand ich nur, daß es
nicht tiefer hinunter ging und die Tauchgänge zu kurz waren.
Meinetwegen hätten sie mich unten am Beckenboden anpflocken können und
ich wäre dazu übergegangen, wie eine Seekuh die Kacheln abzuweiden.
Es soll hier jetzt nicht der Eindruck entstehen, als sei ich unter
Wasser vor Ehrfurcht erstarrt gewesen – ein erstauntes „Donnerwetter“
triff es besser. Ein sympathischer Nebenaspekt des Tauchens ist die
positive Bedeutung des eher negative besetzten Handzeichen „Daumen
runter“ – es bedeutet „Abtauchen“ (falls ich richtig aufgepaßt habe).
Noch sympathischer als das Handzeichen aber war das Tauchteam, das uns
dreien „Flossen“ gemacht hat – die Damen (auch die kleine) und Herren
haben wirklich ausgezeichnete Arbeit geleistet. Heißen Dank und Hut ab!!
Ein Bericht von Rolf Kluth
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